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Promysticalder Tierkreis

Zeichen und Sternbilder

Allerheiligen und Samhain: das Fest zur Herbstmitte

Der 1. November gilt als Mitte des Herbstes. Bei uns ist es Allerheiligen, in England All Hallows, im mittelalterlichen Irland Samhain, mit dem der Winter begann. Die Sonne steht aber erst am um Uhr genau zwischen Tagundnachtgleiche und Sonnenwende. Der Kalender hat gerundet. Bleibt die Frage: um wie viel, und seit wann?

Buchmalerei im Halbkreis: ein Mann auf einem Wagen mit geflügelten Pferden, zwischen Skorpion und Schütze, vor einem Sternenhimmel.
Très Riches Heures du duc de Berry, Folio 11 verso, November (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65), Miniatur von Jean Colombe, um 1485-1486; Ausschnitt: der Halbkreis des Kalenders mit Apollo auf seinem Wagen, den Tagen des Novembers, Skorpion und Schütze auf einem Sternenhimmel und den Graden beider Zeichen.

Der 7. November, nicht der 1.

Der astronomische Herbst beginnt mit der Tagundnachtgleiche am um Uhr und endet mit der Wintersonnenwende am um Uhr. Dazwischen durchläuft die Sonne ein Viertel der Ekliptik, von 180 bis 270 Grad ekliptikaler Länge. Die Mitte, 225 Grad, erreicht sie am um Uhr. Bei Sonnenaufgang an Allerheiligen hat sie noch gut sechs Tage Weg vor sich.

Der Kalender sagt 1. November. Die Sonne antwortet: der 7.

Die Mitte des Winkels ist nicht einmal die Mitte der Zeit: Von der Tagundnachtgleiche bis 225 Grad vergehen 45,4 Tage, von dort bis zur Sonnenwende 44,5. Die Erde wird schneller, denn Anfang Januar kommt sie der Sonne am nächsten, und dort ist ihre Bahngeschwindigkeit am größten. Von 2020 bis 2030 fällt diese Mitte nach unseren Berechnungen stets auf den 6. oder 7. November.

Mit dem Schwinden wartet das Licht nicht bis zum 7. In Brüssel dauert der Tag zur Tagundnachtgleiche 12 Stunden und 9 Minuten, zur Sonnenwende nur noch 7 Stunden und 56 Minuten. Am 1. November geht die Sonne um Uhr auf und um Uhr unter: 9 Stunden und 43 Minuten Tageslicht. Am 7. November bleiben 9 Stunden und 23 Minuten. Zur astronomischen Herbstmitte hat der Tag also schon 2 Stunden und 46 Minuten der 4 Stunden und 13 Minuten verloren, die er insgesamt einbüßt.

Vier Feste in der Mitte der Jahreszeiten

Das mittelalterliche Irland zählte sein Jahr nicht nach den Sonnenwenden. Samhain erscheint schon in den ältesten irischen Texten, aus dem 9. Jahrhundert, und die Erzählung Tochmarc Emire, „Die Werbung um Emer“, nennt es als erstes der vier Jahreszeitenfeste, deren Namen der Held Cú Chulainn erklärt. In der englischen Übersetzung von Kuno Meyer aus dem Jahr 1888 ist Samuin „the end of summer“, das Ende des Sommers; Oimolc, unser Imbolc, „the beginning of spring“; Brón Trogaill am 1. August „Lammas-day, viz., the beginning of autumn“. Fehlt nur noch Beltine, der 1. Mai.

Nach Dáithí Ó hÓgáin hatte das irische Jahr zwei Hälften: den Sommer ab Bealtaine, dem 1. Mai, den Winter ab Samhain, dem 1. November. Und weil der keltische Tag mit dem Sonnenuntergang begann, setzte Samhain am Abend des 31. Oktober ein.

England hat diese Einteilung bewahrt. Zwischen seinen vier „quarter days“, Lady Day (25. März), Midsummer Day (24. Juni), Michaelmas (29. September) und Weihnachten, liegen Candlemas (Mariä Lichtmess, 2. Februar), May Day (1. Mai), Lammas (1. August) und All Hallows (1. November): die „cross-quarter days“, so genannt, weil sie ungefähr in der Mitte jedes Viertels liegen. Ein feststehendes deutsches Wort dafür gibt es außerhalb neuheidnischer Kreise offenbar nicht.

Der chinesische Kalender teilt das Jahr ebenso ein, folgt aber der wahren Sonne. Er gliedert die Ekliptik in 24 Jieqi, Sonnenabschnitte im Abstand von 15 Grad. Bei 225 Grad liegt Lidong, 立冬, „Winteranfang“, gewöhnlich am 7. November. Lichun, Lixia und Liqiu eröffnen ebenso Frühling, Sommer und Herbst, um den 4. Februar, den 6. Mai und den 8. August: jeweils zwei bis sieben Tage nach den runden Daten Irlands und Englands. In China beginnt der Winter also genau in der Mitte unseres Herbstes.

Samhain: Überliefertes und Erzähltes

Überall liest man, Samhain sei das keltische Neujahr gewesen. Die Idee geht auf John Rhys und James Frazer zurück. Der Historiker Ronald Hutton hält die Belege in The Stations of the Sun (1996) für dürftig: Die mittelalterlichen Quellen wissen von keinem großen, allen Kelten gemeinsamen Fest am 1. November. Ein Totenfest also? So sah es Frazer. Hutton findet keinen Beleg dafür, dass Samhain ursprünglich ein Totenfest war, sieht darin aber eine Zeit, in der man sich vor übernatürlichen Mächten in Acht nahm. Samhain, schreibt der Historiker Nicholas Rogers, „did not offer much in the way of actual practices, save in its fire rites“; die meisten Halloween-Bräuche entstanden rund um Allerheiligen und Allerseelen.

Älter als die irischen Texte ist der gallische Kalender von Coligny, eine Bronzetafel vom Ende des 2. Jahrhunderts, 1897 im französischen Departement Ain gefunden: Sein erster Monat heißt SAMONIOS, und die Tafel trägt den Vermerk TRINOX SAMONI, „drei Nächte des Samon“. Manche sehen darin Samhain, andere ein Sommerfest. Die Deutung ist umstritten, und von einem 1. November ist auf der Tafel nicht die Rede.

Und das „Jahresrad“ mit acht Festen, Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen eingeschlossen? Eine moderne Konstruktion: Der englische Ausdruck „Wheel of the Year“ kursiert Mitte der 1960er-Jahre unter britischen Neuheiden. Ein Mittwinterfest, ein Mittsommerfest oder ein Herbstfest zur Tagundnachtgleiche ist von den historischen Kelten nicht überliefert. Auch steht in den irischen Texten nirgends, dass man Samhain nach der Sonne ausrichtete. Dass der 1. November nahe an der astronomischen Herbstmitte liegt, ist eine Feststellung von heute, keine Absicht, die man den Druiden unterstellen könnte.

Warum Allerheiligen auf den 1. November fällt

Das Fest aller Heiligen ist nicht im November entstanden. Am 13. Mai 609 oder 610 weiht Papst Bonifatius IV. das Pantheon in Rom der Jungfrau Maria und allen Märtyrern. Gregor III. (731-741) weiht später ein Oratorium in der Peterskirche allen Heiligen, an einem 1. November nach manchen Quellen, an einem 12. April nach anderen. Um 800 feiern Kirchen in Irland und Northumbrien alle Heiligen am 1. November. Im Jahr 835 macht Ludwig der Fromme es auf Betreiben Papst Gregors IV. zum gebotenen Feiertag im ganzen Frankenreich.

Frazer glaubte, die Kirche habe das Datum wegen Samhain gewählt. Hutton sieht darin eher eine germanische Idee und verweist auf ein irisches Allerheiligenfest am 20. April, während andere Zeugnisse es auf den 1. November datieren. Die Quellen widersprechen sich; die Frage bleibt offen.

Der 2. November hat einen anderen Ursprung. Odilo, Abt von Cluny, gestorben 1048, ordnete an, in den Klöstern seiner Kongregation jedes Jahr aller verstorbenen Gläubigen zu gedenken; die Überlieferung datiert den Beschluss auf 998. In Belgien ist Allerheiligen einer der zehn gesetzlichen Feiertage, festgelegt durch das Gesetz vom 4. Januar 1974. Deshalb besucht man die Gräber eher am 1. November, einem arbeitsfreien Tag, als am 2., und seit dem 19. Jahrhundert mit Chrysanthemen.

Halloween trägt Allerheiligen im Namen: Es ist die schottische Form von „All Hallows’ Eve“, dem Vorabend von Allerheiligen, dem Robert Burns 1785 ein Gedicht widmete. In Irland, Schottland und Nordengland höhlte man Rüben aus; die Auswanderer in Nordamerika griffen zum Kürbis, der größer und weicher ist.

Skorpion in der Zeitung, Waage am Himmel

Für die Horoskope fällt Allerheiligen in den Skorpion: Die Sonne ist am um Uhr in dieses Zeichen getreten und steht am 1. November bei 9 Grad darin. Die Herbstmitte, 225 Grad, ist genau der 15. Grad des Skorpions, die Mitte des Zeichens. Reine Geometrie: Die vier Jahreszeitenmitten fallen in die Mitte von Stier (45 Grad), Löwe (135), Skorpion (225) und Wassermann (315), den vier Zeichen, welche die astrologische Tradition „fix“ nennt.

Schauen Sie hinauf, und die Kulisse wechselt. Bis zum Nachmittag des 31. Oktober steht die Sonne vor den Sternen der Jungfrau. Dann rückt sie vor die Waage, keine zwei Stunden bevor sie untergeht und die Nacht von Samhain beginnt. Das Sternbild Skorpion erreicht sie erst am 23. November, für kaum eine Woche, bevor der Schlangenträger folgt. Die wahre Herbstmitte am 7. November spielt sich also vor der Waage ab. Zeichen sind zwölf gleiche Abschnitte von 30 Grad; Sternbilder haben Grenzen, 1930 von Eugène Delporte in Uccle gezogen.

Die Buchmaler des 15. Jahrhunderts setzten den gelehrten Himmel gern über die Jahreszeit. In den Très Riches Heures du duc de Berry krönt jeden Kalendermonat ein astronomischer Halbkreis: Apollo auf seinem Wagen, die Zeichen auf einem Sternenhimmel, die Grade jedes Zeichens. Unter dem Halbkreis des Novembers, in einer Miniatur, die Jean Colombe um 1485-1486 malte, schlägt ein Schweinehirt Eicheln für seine Schweine von den Eichen. Er feiert nichts, er füttert seine Tiere. Auch am Samstag, dem 7. November 2026, um Uhr verzeichnet keiner unserer Kalender etwas. Und doch ist das der genaue Augenblick.

Der Herbst 2026 in fünf Daten

7. November

Mitte des Herbstes

Die Sonne erreicht 225 Grad Länge um 10:52 Uhr Brüsseler Zeit: den 15. Grad des Skorpions. In China ist es Lidong, „Winteranfang“.

23. September

Herbst-Tagundnachtgleiche

Die Sonne erreicht 180 Grad um 2:05 Uhr Brüsseler Zeit. Der Tag dauert 12 Stunden und 9 Minuten.

31. Oktober

Vorabend von Samhain

Am Nachmittag verlässt die Sonne die Sterne der Jungfrau und tritt vor die der Waage. Mit dem Sonnenuntergang begann im mittelalterlichen Irland das Fest Samhain.

1. November

Allerheiligen

Gesetzlicher Feiertag in Belgien. Die Sonne steht bei 9 Grad im Zeichen Skorpion, vor der Waage. Aufgang um 7:34 Uhr, Untergang um 17:17 Uhr.

21. Dezember

Wintersonnenwende

Die Sonne erreicht 270 Grad um 21:50 Uhr. Der Tag dauert in Brüssel nur noch 7 Stunden und 56 Minuten. Der astronomische Winter beginnt.

Häufige Fragen

Warum heißt es, Allerheiligen liege mitten im Herbst?
Weil der 1. November ungefähr in der Mitte zwischen der Tagundnachtgleiche vom 23. September und der Sonnenwende vom 21. Dezember liegt. Die genaue Mitte, wenn die Sonne 225 Grad Länge erreicht, fällt auf den 7. November 2026 um 10:52 Uhr Brüsseler Zeit.
Ist Samhain der Vorläufer von Halloween?
Vielleicht teilweise, was Stimmung und Feuer betrifft. Der Name kommt von „All Hallows’ Eve“, dem Vorabend von Allerheiligen, und die meisten Bräuche entstanden nach dem Historiker Nicholas Rogers rund um Allerheiligen und Allerseelen.
Wurde Allerheiligen auf den 1. November gelegt, um Samhain zu ersetzen?
Das war die These von James Frazer, sie ist umstritten. Das Datum wurde zwischen Rom und dem Frankenreich festgelegt: von Gregor III. im 8. Jahrhundert nach manchen Quellen, dann 835 von Ludwig dem Frommen auf Betreiben Gregors IV. Ronald Hutton hält es eher für eine germanische als für eine keltische Idee.
Steht die Sonne an Allerheiligen im Skorpion?
Im Zeichen ja, seit dem 23. Oktober 2026. Vor den Sternen nein: Seit dem Nachmittag des 31. Oktober steht sie vor dem Sternbild Waage, das Sternbild Skorpion erreicht sie erst am 23. November.
Wann beginnt der Winter?
Je nachdem, wer zählt. Am 1. November im mittelalterlichen Irland, am 7. November 2026 im chinesischen Kalender (Sonne bei 225 Grad), am 1. Dezember für die Meteorologen des Königlichen Meteorologischen Instituts, am 21. Dezember 2026 um 21:50 Uhr für die Astronomen, zur Sonnenwende.